CUT THE BULLSHIT. Kolumne von Daniel Golz
Es gibt gerade einen neuen Fetisch in unserer Branche: Stuhlmiete, Einzelkämpfer, Kleinunternehmer. Instagram verkauft das wie Bali-Vibes mit Latte Macchiato, Laptop auf dem Schoß und drei Kunden am Tag für 120 Euro die Stunde. Freiheit, Baby. Und ja, Freiheit ist geil. Aber jetzt kommt der Teil, den keiner postet.
Der Mensch ist kein Wolf. Er ist Friseur. Und Friseure sind Herdentiere. Wir arbeiten mit Emotionen, mit Körpern, mit Spiegeln, mit Egos, mit Drama und mit Blondierung. Wenn etwas schiefgeht, willst du nicht allein im Raum stehen und dein eigenes Scheitern anstarren. Du willst jemanden neben dir haben, der ruhig sagt: „Okay, chill. Ich hab das schon hundertmal gerettet.“ Das ist kein Luxus, das ist Überleben im Alltag.
Ich stehe selbst in beiden Welten, selbstständig und angestellt, und ich sag dir ganz ehrlich: Nur allein selbstständig zu sein, würde mich mental auf Dauer komplett zerlegen. Nicht weil es schlecht ist, sondern weil es eine andere Art von Belastung ist. Als Solo-Friseur bist du eben nicht nur Handwerker, du bist gleichzeitig Einkauf, Marketing, Social Media, Buchhaltung, Kundenservice, Motivationscoach und oft auch deine eigene emotionale Stütze. Und das alles, während du versuchst, saubere Babylights zu legen und freundlich zu bleiben. Auf Instagram sieht das nach Freiheit aus. In der Realität bedeutet es, dass du keinen Feierabend hast, sondern nur andere Sorgen.