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Credit: Gieseke cosmetic

18.03.2026

"Wir sind klein genug, um flexibel zu bleiben, und groß genug, um etwas zu bewegen."

Es war ein herausforderndstes Jahr für Gieseke, um so optimistischer schaut man auf 2026, mit Änderungen, die den schnellen Marktveränderungen gerecht werden sollen …

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Raphaela Kirschnick im Gespräch mit Hendrik Rumpfkeil, Geschäftsführer Gieseke

Wie blicken Sie auf 2025 zurück? Was hat Sie positiv, was negativ überrascht?
Hendrik Rumpfkeil:
Das Jahr 2025 war das herausforderndste Jahr, das ich in 29 Jahren als Geschäftsführer erlebt habe. Nebst größerer der Marktsituation geschuldeter Herausforderungen hatten wir leider auch noch einen Cyberangriff, der uns hart getroffen hat. Meine Jahresabschlussrede vor unseren Mitarbeitern schloss ich mit den Worten: ‚Dieses Jahr ist jetzt endlich zu Ende‘.

Cyberangriff klingt wie ein Krimi. Was genau ist passiert?
HR: Eine russische Hackergruppe hat uns angegriffen und einen Großteil unserer Daten verschlüsselt. Es gab eine klassische Lösegeldforderung, die wir natürlich nicht erfüllt haben. Mit Hilfe des Bundeskriminalamtes haben wir uns dann aus diesem Sumpf am eigenen Zopf wieder herausgezogen.

Was hieß das konkret für den Betrieb?
HR:
Der Außendienst konnte weiterfahren, aber wir konnten keine Aufträge fakturieren und keine Ware liefern. Insgesamt waren es sieben Arbeitstage, bis wir wieder im Normalzustand arbeiten konnten.
Wenn plötzlich sieben Arbeitstage fehlen, dann ist das für uns eine Größenordnung, die einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden bedeutet. Wir hatten Glück, wir konnten die Firma aus den Backups wiederherstellen.

Sie waren also vergleichsweise schnell wieder arbeitsfähig?
HR:
Ja, da muss ich meiner IT-Abteilung und den externen Partnern großen Respekt zollen. Die haben das ganze Wochenende 24 Stunden durchgearbeitet. Die Kollegen sind nachts in die Firma gekommen, um Server umzustellen und Systeme wieder hochzuziehen. Das war eine große Leistung und hat uns in die Lage versetzt, relativ schnell wieder ins Netz zu gehen.
Was aber hängen bleibt, ist natürlich auch das Mentale. Verbindungen nach außen öffnet man dann nur langsam wieder.

Haben Sie daraufhin die IT-Sicherheit noch einmal verschärft?
HR:
Ja, wir haben weiter nachgeschärft. Wobei das Bundeskriminalamt uns bereits eine sehr gute IT-Sicherheit bestätigt hat. Aber menschliches Versagen hebelt am Ende jede IT-Sicherheit aus.

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Die Verschiebung im Markt findet in einer Geschwindigkeit statt, wie ich sie so noch nicht erlebt habe.

Wenn wir nach vorne schauen: Was beeinflusst Ihr Geschäft aktuell am stärksten?
HR:
Ganz klar die rasante Veränderung am Friseurmarkt. Unser klassisches Rückgrat, der mittelständische Friseur, befindet sich in einer sehr starken Umstrukturierung. Es gibt immer weniger Mitarbeiter pro Salon. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Barbershops gravierend zu. Diese Verschiebung im Markt findet in einer Geschwindigkeit statt, wie ich sie so noch nicht erlebt habe. Ich finde das beängstigend.

Wie reagieren Sie strategisch darauf? Welche Prioritäten setzen Sie?
HR:
Wir versuchen nach wie vor, den direkten persönlichen Kontakt zu unseren Kunden zu halten. Gleichzeitig bauen wir digitale Konzepte auf, um diesen Spagat zu schaffen zwischen persönlicher Betreuung und zeitgerechten digitalen Lösungen zu schaffen. Darin liegt unsere größte Priorität.

Wo sehen Sie aktuell Chancen?
HR:
Dass wir als Familienunternehmen und Mittelständler in der Lage sind, genau diesen Spagat zu erfüllen. Konzernstrukturen können oft nur in eine Richtung gehen. Wir sind klein genug, um flexibel zu bleiben, und groß genug, um etwas zu bewegen.

Zur Top Hair 2026: Gieseke war dort traditionell einer der sichtbarsten Aussteller. Nun wird Ihr Auftritt deutlich kleiner ausfallen. Was steckt strategisch dahinter?
HR:
Dahinter steckt eine einfachen Kosten-Nutzen-Rechnung. Die Top Hair hat als größte deutsche Friseurmesse selbstverständlich ihre Berechtigung. Und es tut mir auch leid, dass wir dort reduzieren mussten. Aber auch hier sehen wir, dass man nicht ewig mit denselben Konzepten weiterarbeiten kann.
Wir sind mit einigen speziellen Marken nach wie vor vertreten, aber das Grundkonzept eines riesigen Gesamtmessestandes hat sich für uns überholt.

Klassische Messen, ... haben sich in ihrer Wirkung eingeschränkt.

Braucht es also künftig eher kleinere, regionalere Formate?
HR:
Ich glaube, man braucht vor allem jemanden, der ein wirklich gutes Konzept hat. Einfach ein bestehendes Format zu kopieren und in jedes Bundesland zu tragen, funktioniert nicht, da fehlen auch bald die Sponsoren.
Man muss sich auch ehrlich fragen, inwieweit Kunden heute noch bereit sind, Zeit oder Freizeit in Messen und branchenübergreifende Veranstaltungen zu investieren? Mein Gefühl ist, dass dieses Interesse eher nachlässt.

Sie haben in den vergangenen Jahren mehrere neue Marken eingeführt. Wie entwickeln sich Danger Jones, 18.21 und A.DORA?
HR:
Mit Danger Jones bin ich sehr zufrieden, ehrlich gesagt sogar zufriedener, als ich erwartet hätte. Das liegt auch an der starken Social Media Prägung der Marke. Wir hatten im vergangenen Jahr ein großes Event in München und haben dort sehr positives Feedback bekommen.
18.21 ist als Herrenmarke in unserem Unternehmen immer eher eine Nische, aber auch da kommen wir im Verhältnis gut voran. Die Marke erfüllt unsere Erwartungen.

A.DORA ist dagegen ein sehr spezielles Produkt. Ich bin nicht unzufrieden, aber es zeigt sich wieder, dass technische und neuartige Produkte immer mehr Zeit brauchen als ein fancy Produkt. Das Schöne an unserer Branche ist aber: Es gibt für jeden Topf einen Deckel. Es gibt Kunden, die genau so etwas suchen. Die entscheidende Frage ist, ob es sich am Ende für alle Beteiligten lohnt.

Da wir glücklicherweise nie alles auf eine Karte setzen, haben wir eine gute Ausgangsposition. Wir können einem Produkt auch Zeit geben und dem Markt die Chance lassen, seine Qualitäten zu erkennen.

Sie nennen sich selbst gern einen Scout für Friseure. Was haben Sie zuletzt entdeckt?
HR:
In Hongkong habe ich ein technisches Produkt gesehen, über das ich noch nicht sprechen werde. Aber das wird auch Sie verwundern.

Ein klitzekleiner Tipp, um was es geht?
HR: Nein, keine Chance.

Eine große Innovation war und ist der CHI Color Master. Sie bezeichneten das mal als großes Zukunftsthema, noch immer?
HR:
Ich sehe im CHI Color Master nach wie vor die Zukunft. Mittlerweile arbeiten rund 170 Salons damit. Wir sammeln jeden Tag weitere Erfahrungen. Es dauert länger, als ich gedacht hatte, aber es klappt besser, als ich erwartet habe.

Natürlich ist das auch immer eine Frage der Haltung des Salons. Ein Salon, der ein Tablet für Teufelswerk hält, ist nicht CHI Color Master fähig. Aber für einen Salon, der Innovationen und neuen Konzepten offen gegenübersteht, ist das eine sehr gute Lösung.

Auch die Red Night hat sich inzwischen als Community Event etabliert. Was erwartet die Besucher diesmal?
HR:
Stand heute wird Farouk auch wieder dabei sein. Gleichzeitig haben wir das Konzept ein wenig überarbeitet. Unsere Branche lebt von Veränderung, also müssen auch wir uns verändern.

Was wird neu sein?
HR:
Samantha Schüller und Cenk Yesil erweitern als Speaker das Programm. Außerdem haben wir eine tolle Location mit Blick über ganz Hamburg und am Catering haben wir natürlich auch diesmal nicht gespart.

Sie sprachen den Barbermarkt an. Wie gehen Sie mit dieser Entwicklung um?
HR:
Ich glaube, da muss man stärker differenzieren. Es gibt nicht DEN Barber, sondern ganz unterschiedliche Konzepte und Qualitätsstufen. Bei den hochqualitativen Barbershops ist die Firma Gieseke auch heute schon ein angesagter Partner.

Schwierig wird es bei stark preisgetriebenen Salons, wo mitunter auch sprachliche Barrieren hinzukommen. Da braucht es andere Konzepte, wir werden mit Sicherheit Dinge ausprobieren.

Führen Sie günstige Barbermarken?
HR:
Auf der Top Hair führen wir Marmara, eine Barber Marke aus der Türkei, ein. Die Marke hat in Deutschland bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad, nicht unbedingt beim klassischen Friseur, aber beim Barber. Darüber möchten wir Anknüpfungspunkte schaffen. Auch dieser Markt wird sich verändern und hoffentlich weiter für uns öffnen.

Wäre ein mobiler LKW-Vertrieb für Barber ein denkbares Konzept?
HR:
Ein Direktvertrieb an den Barber aus dem Auto heraus ist für mich momentan ausgeschlossen.

Ein Exkurs in die Kosmetik: Sie beliefern mit Guinot Paris auch Kosmetikinstitute. Entwickelt sich dieser Markt ähnlich wie der Friseurmarkt?
HR:
Nein, diese beiden Märkte kann man nicht miteinander vergleichen. Das musste ich selbst schmerzhaft feststellen, als ich mit dem Kosmetikmarkt anfing.
Man sieht das schon an der Arbeitssituation. Ein Friseur arbeitet hinter Schaufenstern, eine Kosmetikerin meist in einer abgeschlossenen Kabine. Das überträgt sich auch auf Mentalität und Emotionalität. Ich sage immer: Wenn ich einem Friseur eine Flasche hinstelle, macht er sie auf und riecht daran. Wenn ich einer Kosmetikerin eine Flasche hinstelle, dreht sie sie um und liest die Inhaltsstoffe.

Überzeugungsverkauf... kann der Friseur vom Kosmetikhandwerk lernen...

Was kann der Friseurmarkt vom Kosmetikmarkt lernen?
HR:
Verkaufen. Die durchschnittliche Verkaufsquote in einem Kosmetiksalon liegt bei rund 30 %. Ich kenne keinen Friseur, der auch nur annähernd daran herankommt.
Durch Expertise und gute Beratung schaffen es Kosmetikinstitute, dass ihre Kunden solche Produkte gern kaufen, weil sie den Wert erkennen. Das ist kein Drückerverkauf, das ist Überzeugungsverkauf.

Wenn man dieses Modul aus dem Kosmetikmarkt in den Friseurmarkt übertragen könnte, dann würden Friseur, Kunde, Industrie und Handel gleichermaßen profitieren.

Was wünschen Sie sich für die kommenden zwölf bis vierundzwanzig Monate im Friseurhandwerk?
HR:
Raus aus der Negativspirale. Eine Besinnung auf Qualität und die eigene Stärke. Wer sich mit hoher Qualität und starkem Service klar abhebt, ist erfolgreich. Wer glaubt, man könne einfach so weitermachen wie in den vergangenen zwanzig Jahren, wird scheitern.

Ihr Sohn Björn bringt sich bereits sichtbar ins Unternehmen ein. Gibt es Überlegungen zu einem Generationenwechsel?
HR:
(lacht) Also so schnell werden Sie mich nicht los.
Natürlich hat Björn hier seine Ausbildung gemacht, war im Außendienst und ist aktuell Vertriebsleiter für den Außendienst in Norddeutschland. Soweit ich das beurteilen kann, macht er keinen schlechten Job, was mich als Vater natürlich freut. Aber am Ende ist es eine Frage von Qualität und Leistungsbereitschaft. Ein Nachname macht noch keinen Geschäftsführer.

Qualität und Service schlägt billig.

Welche Werte sollen bei Gieseke als Familienunternehmen erhalten bleiben?
HR: Ehrlichkeit, Respekt und Handschlagsqualität.

Wenn Sie dem Markt zum Schluss nur eine Sache mitgeben könnten, welche wäre das?
HR
Qualität und Service schlägt billig.

Vielen Dank lieber Herr Rumpfkeil, ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches 2026.

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